Archiv für April 2008

Tibet – Kultureller Völkermord?

In dem für kulturwissenschaftlich Interessierte lesenswerten blog antropologi.info (er erscheint auf deutsch, englisch und norwegisch) findet sich eine kritische Auseinandersetzung mit dem dominanten Tibet-China-Diskurs.

 

Im Zuge des olympischen Fackellaufs beherrscht der „kulturelle Völkermord“ der Volksrepublik an den Tibetern die Medien und es ist nur zu einfach in den allgemeinen Kanon der Empörung über die Missachtung der Menschenrechte seitens der KP einzustimmen.

 

„Die tibetische Kultur blüht und gedeiht in China“

Zugleich melden sich aber auch kritische Stimmen, wie die auf anthropologi.info zitierten. Da ist der Ethnologe Ingo Nentwig  mit seinem Statement: „Die tibetische Kultur blüht und gedeiht in China“.

China hat eine gigantische Produktion an Büchern, Zeitungen und Zeitschriften in tibetischer Sprache, es gibt zahlreiche tibetische Verlage, nicht nur in Tibet, sondern auch in den angrenzenden Provinzen und sogar in Peking – die Tibetologen sind gar nicht in der Lage, das alles wahrzunehmen.

Tibetische Schriftsteller schreiben auf Tibetisch und auf Chinesisch. Sie können nicht nur tibetische Literatur kaufen, sondern auch tibetische Übersetzungen zum Beispiel von Shakespeare, Hugo und Balzac. Es gibt eine Akademie für traditionelle tibetische Medizin in Lhasa. Das berühmte Gesar-Epos, die wichtigste mündliche Überlieferung der Tibeter, wird umfassend erforscht. Sänger dieses Epos’, die stundenlang, teilweise tagelang vortragen, werden hofiert und dokumentiert. Von irgendetwas wie “kulturellem Völkermord” kann überhaupt keine Rede sein.

Zugleich räumt Nentwig ein, dass es in der freien Religionsausübung z.T. gewaltige Einschränkungen gibt. Zwar könne jeder Tibeter seinem Glauben unbehindert nachgehen, aber religiöse Funktionsträger, die versuchen oppositionelle Politik zu machen, würden verfolgt.

 

Auch auf dem wohl bekanntesten kulturanthropologischen Gruppen-Blog Savage Minds sind in den letzten Wochen viele gute Kommentare zu dem Thema erschienen, insbesondere auch dessen Darstellung in den westlichen und chinesischen Medien betreffend.

 

Verzerrungen von Seiten der Tibet-Aktivisten

Ich habe mich letztes Jahr auch etwas ausführlicher mit der China-Tibet-Frage auseinander gesetzt und zwar in Zusammenhang mit Maxikulti. In der englischen Version des Buches beschreiben Pál und ich -basierend auf einem Artikel von Washington Post Journalist Sebastian Mallaby , wie Pro-Tibet Aktivisten 1999 eine weltweite Öffentlichkeit gegen ein Weltbank-Projekt zum Teil unter Vortäuschung falscher Tatsachen, zum Fall brachten.

 

Während die Aktivisten – unterstützt von Nancy Peloci und einem Beastie Boy – verkündeten, bei der geplanten Umsiedlung in der Chinesischen Provinz Qinghai würden 60.000 Han Chinesen in das tibetisch dominierte Gebiet angesiedelt werden, sah der Kreditantrag der Volksrepublik nur die Umsiedlung der schon in der Provinz lebenden Bevölkerung vor: 40% von ihnen waren Han Chinesen, der Rest Mongolen und nur 3.500 Tibeter. Zudem gehört Qinghai gar nicht zu Tibet, sondern war schon zu Zeiten des chinesischen Kaiserreichs Teil von China.

 

Eine differenzierte Perspektive ist notwendig 

All dies entschuldigt die begangenen Menschenrechtsverletzungen der Chinesen in Tibet in keinster Weise. Wir sollten aber bei unserer Beschäftigung mit dem Thema mehr Grautöne und Differenzierungen zulassen. Statt alle Tibeter als Opfer und Feinde der Chinesen zu beschreiben, sollten wir der Vielflat der Meinungen unter Tibetern ein Ohr schenken. Dazu noch einmal ein Zitat des Ethnologen Ingo Nentwig:

Ich habe im Rahmen meiner Feldstudien mit Hunderten Tibetern gesprochen, darunter auch mit etlichen Mönchen. Deren Haltungen und Meinungen in puncto Politik sind so heterogen, wie sie nur sein können. Die einen mögen die Chinesen nicht, wenden sich aber dennoch gegen eine Unabhängigkeit. Andere kommen außerordentlich gut mit den Chinesen zurecht, wieder andere wollen sich von China lossagen. Das Bild von den guten Tibetern und den bösen Chinesen ist plumpe Schwarzweißmalerei.
(…)
Nach meinem Gefühl besteht aber gerade bei der einfachen Landbevölkerung, die den Großteil des tibetischen Volkes stellt, eine große Mehrheit für den Verbleib Tibets im chinesischen Staatsgebiet. Entsprechend gut ist dort auch das Verhältnis mit den Han-Chinesen. Auf antichinesische Einstellungen stößt man vornehmlich bei den Eliten.

Wer ist online?

Vor einiger Zeit veröffentlichte ich in diesem Blog eine Grafik, die eindrucksvoll darlegte, wer mit wem übers Internet verbunden ist. Nachdem sie sich die Graphik angeschaut hatte, meinte Renate aus unserem Team, vielleicht sollten wir unsere Arbeit so lange niederlegen, bis mehr Menschen auch in nicht-industrialisierten Ländern Internetzugang haben.

Man geht davon aus, dass mittlerweile 1.1 Milliarden Menschen weltweit online sind. Aber Internetzugang ist sehr ungleichmäßig verteilt: die so genannte digitale Kluft besteht zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern, ebenso wie innerhalb einzelner Regionen und  Staaten.Ganz Afrika südlich der Sahara hat weniger Internetverbindungen als Manhattan und während über die Hälfte aller Hongkonger Haushalte online sind, sind es in Nepal weniger als 0,25%. Selbst in einem Land wie den Vereinigten Staaten sind wesentlich weniger der Schwarzen und spanischsprachigen Amerikaner online als unter der weißen Bevölkerung.  

Aber auch dort, wo das world wide web prinzipiell vorhanden ist, ist der Zugang erschwert; durch erhöhte Preise (oft durch Zölle oder Monopole der Telekommunikationsunternehmen), alte und langsame Elektrizitätsverbindungen oder regelmäßige Stromausfälle. Zudem schränken Analaphabetismus und unzureichende Informationen darüber, was man mit dem Internet alles machen kann, das Nutzungspotential ein. Immer wieder hören wir von unseren Projektverantwortlichen in Kamerun oder Uganda, wie schwierig es für sie ist effizient mit dem Computer zu arbeiten, wenn täglich Stromausfälle ihre Sitzungen unterbrechen oder Webseiten ewig zum laden brauchen (ich selbst kann dies insbesondere seit einem Aufenthalt in Äthiopien nachempfinden, wo es mitunter EINE ganze Stunde dauerte, bis sich die Hotmail Startseite aufgebaut hatte.

Zugleich bemühen sich unzählige Initiativen die digitale Kluft zu schließen: kommunale Internetzugänge sprießen in Bürgerzentren, Kirchen und Einkaufszentren aus dem Boden, Schulen werden mit Computern ausgestattet und in vielen Ländern – von Ghana über Vietnam bis Trinidad – Internetcafes boomen. Neue Technologien ermöglichen es immer mehr Menschen auf einen Internetzugang zuzugreifen. So hat die kalifornische Firma Meraki eine Software entwickelt, die es Durchschnittsinternetnutzern ermöglicht problemlos eigene Netzwerke zu etablieren und die Kosten auf viele verschiedene Nutzer zu verteilen.

So kommt es, dass Bewohner von Lehmhütten ins Internetcafe gehen um die aktuellste Wettervorhersage zu erfragen und ihre Erntezeiten darauf abzustimmen.  Diese Initiativen, aber insbesondere auch die weltweite Expansion der Mobiltelephonie, die ein völlig neues Potential für Telefone-basierte Internetverbindungen eröffnet, lassen es wahrscheinlich erscheinen, dass im Laufe der nächsten Dekade Internetnutzung in allen Teilen der Welt dramatisch anwachsen wird.   

Realistischerweise kann eine Internetplattform wie betterplace jedoch nur eine relativ dünne Schicht gut ausgebildeter und unternehmerischer Menschen in den Ländern des Südens erreichen, eben solche, die über ausreichende Internetkenntnisse verfügen und sich für eine weltweite Zuhörerschaft verständlich auf Englisch (oder Deutsch) artikulieren können. In diesem Aspekt unterscheidet sich betterplace allerdings nicht grundsätzlich von konventionellen Entwicklungshilfeorganisationen: wie viele Studien zeigen, tendieren Entwicklungshelfer ebenfalls dazu mit denjenigen Menschen in einer Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, die ihnen am ähnlichsten sind. Mit Menschen eines annähernd vergleichbaren Bildungs- und Wirtschaftsniveaus lässt es sich schlichtweg einfacher kommunizieren.   

Für viele Arme spielt das Internet schon heute eine extreme wichtige Rolle: sie gehen online um mit Freunden und Familienmitgliedern in Verbindung zu bleiben, die im Ausland leben und arbeiten, und auf deren Rücküberweisungen sie zum Überleben oft angewiesen sind. Über Websites, blogs and Chatrooms vernetzen sich Bürger miteinander können selbst in totalitären Staaten ihren Widerstand gegen die politische Elite vergleichsweise frei äußern.  Ich bin davon überzeugt, dass eine Internetplattform, die die Interessen höchst unterschiedlicher Menschen miteinander abgleicht, immense Bedeutung erlangen kann. Über sie können Innovationen -  an einem Ort entwickelt – einer breiten Menschenmasse zur Verfügung gestellt werden: von der medizinischen Behandlung von Flussblindheit bis zu rückenschonenden Wassercontainern. Einzelne Inititativen, die nach Lösungen für die gleichen Probleme suchen, können sich miteinander vernetzen – nicht nur solche aus dem Norden mit denen aus dem Süden, sondern ebenso innerhalb des Südens. 

Wenn Sie sich um den Welthunger sorgen, essen Sie weniger Fleisch

Innerhalb der letzten 3 Jahre sind die Lebensmittelpreise weltweit im Durchschnitt um 83% gestiegen. Diese dramatische Steigerung ist zum großen Teil auf reduzierte Anbauflächen zurückzuführen, nachdem es für viele Produzenten lukrativer ist für den boomenden Biotreibstoffmarkt zu produzieren.

 

In mittlerweile 37 Ländern, von Ägypten über Äthiopien bis zu den Philippinen und Indonesien, haben steigende Kosten für Grundnahrungsmittel wie Reis und Weizen zu Unruhen und Protesten geführt – alleine letzte Woche errichteten Tausende von Demonstranten in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince Straßenbarrikaden, verwüsteten Geschäfte und zwangen den Regierungschef zum Rücktritt. Mindestens fünf Protestler kamen bei den Krawallen ums Leben.

 

Nach Dominique Strauss-Kahn, Direktor des Internationalen Währungsfonds und Weltbank-Chef Robert Zoellick, warnte heute auch WTO Chef Pascal Lamy angesichts der sich zuspitzenden Lage vor bevorstehenden Massenhungersnöten und forderte eine Reorientierung der Entwicklungshilfe, hin zu einer fokussierten Unterstützung der Landwirtschaft.

 

In diesem Zusammenhang ist auch der Artikel von Guardian Kolumnist und Autor George Monbiot (via culture matters) über die globale Nahrungsmittelkrise von Interesse. „Der Weizen, der benötigt wird um einen Geländewagen zu betanken, kann einen Menschen ein ganzes Jahr ernähren“, zitiert Monbiot einen Weltbank-Report. Und das vor dem Hintergrund, dass seit dieser Woche in Großbritannien die Renewable Transport Fuel Obligation in Kraft getreten ist, der zufolge 2.5% aller verkauften Treibstoffe aus erneuerbaren Energiequellen stammen müssen.

 

Monbiot verweist aber auf noch eine weitere Ursache für die Lebensmittelkrise: Dieses Jahre werden 100 Millionen Tonnen Lebensmittel in Biotreibstoffe verwandelt. 760 Millionen Tonnen (!!!) werden dagegen verwendet um Tiere zu füttern. Nachdem die fleischessende Weltbevölkerung ständig anwächst kommt Monbiot zu dem Schluß: „Wenn Sie Sich um den Welthunger sorgen, essen Sie weniger Fleisch”.

 

Besser Reisen

 Vico, Flori, Lilian und Juli in einer Kneipe in Rocinah, Rio de Janeiro

Als ich vor zwei Jahren mit ein paar Freunden und unseren Kindern in Rio de Janeiro war, machten wir eines Tages einen Ausflug nach Rocinha, Rios größte Favela. Am Abend vorher hatten wir alle in unserem wundervollen Bed&Breakfast in Santa Theresa, City of God gesehen – quasi als Einstimmung auf die Favela-Tour.

 

An diese Tour, quer durch die schmalen Gassen mit den wahnwitzigen Häusern, bei denen immer noch ein Stockwerk auf das andere gesetzt worden war, an das Chaos der Elektrokabel, die sich durch die Luft schwangen, an die Frauen, die sich in der kargen Kirche versammelt hatten, musste ich vor kurzem denken, als ein Artikel in der New York Times die Frage aufgriff, ob solche Ausflüge in die Slums sinnvoller Tourismus oder Voyeurismus sind. 

 

Slum Tourismus ist ein neuer Trend. Wer von uns möchte schon zu den schlechten Touristen zählen, die im all-inklusive Hotel den Tag in der prallen Sonne herumliegen? Immer mehr Menschen sehnen sich nach authentischen Einblicken in fremde Lebenswelten – und Ausflüge auf mexikanische Müllhalden, in brasilianische Favelas und indische Slums scheinen gerade das zu bieten. Angefangen hat der Trend vor 16 Jahren in eben diesem Rocinah, als Marcelo Armstrong Favela Tours gründete.

 

Die Gegner des neuen Nischentrends, der durch eine stetig wachsende Anzahl von Reiseunternehmern gefüttert wird, kritisieren die Touren als ausbeuterisch. „Wie fänden Sie es, wenn täglich mehrere Leute vor Ihrer Haustür stehen, ein paar Fotos machen und ihren Lebensstil kommentieren würden“, zitiert die NYT einen kanadischen Professor für Tourismus und Umwelt. Der tiefere Zweck dieser Ausflüge sei doch sowieso nur, dass sich die Reisenden in ihrer eigenen Überlegenheit bestätigt sähen.

 

Andere widersprechen: Sie sehen im Tourismus eine der wenigen Möglichkeiten, Einblicke in andere Leben zu erhalten und vor allem sich auch der Armutskluft greifbar bewusst zu werden.

 

Auch ein anderer neuer, benachbarter Tourismustrend ist umstritten: immer mehr Menschen wollen in ihren Ferien in einem sozialen Projekt mitarbeiten. Meine Freundin Nico (von smart-travelling) schleppte ihre Familie Anfang dieses Jahres in ein Projektdorf in Kerala. Webseiten wie Travelworks.de oder Reiseführer wie Hands-on Holidays listen Hunderte von sozialen Projekten – von Ausgrabungsferien in Peru bis Mitarbeit in einem Dorfzentrum in Kenia. Auch hier beklagen Kritiker, dass Touristen in vielen dieser Projekte eher Mehrarbeit verursachen, als das sie in 1 oder 4 Wochen einen konstruktiven Beitrag leisten können.

 

Für uns bei betterplace sind Projektbesucher – Einheimische und Auslandsentsandte, ebenso wie durchreisende Touristen – wichtige Bestandteile des Web of Trusts. Wir möchten betterplacianer ermutigen Projekte, die sich auf der Plattform präsentieren, zu besuchen und darüber in Wort und Bild zu berichten, um anderen (potentiellen) Unterstützern ihre Auswahl zu erleichtern und die Bewertung von Projekten transparenter zu machen. Ermutigen wir damit einen gefährlichen oder degradierenden Voyeurismus?

 

Ich denke, das Entscheidende bei diesen Fragen ist nicht, OB man eine Favela, ein Projektdorf oder eine soziale Initiative besucht, sondern WIE man dies tut. Slum-Tourismus mit, von den Einheimischen akzeptierten, respektvollen Führern, kann der Schwarz-Weiß-Malerei der Medien über „soziale Brennpunkte“ entgegenwirken und zeigen, dass das Leben in Slums sich in vielem nicht grundsätzlich von anderen Leben unterscheidet und Armut nicht automatisch mit Leid und Unglück gleichgesetzt werden kann.

 

Ebenso möchten wir auf Menschen, die betterplace-Projekte besuchen, nicht verzichten. Muss es nicht vielmehr darum gehen, diese Begegnungen so respektvoll wie möglich zu gestalten?

 

Eine Richtschnur wie man sich auf Reisen – ob im In- oder Ausland, im Slum oder anderswo – verhalten sollte, verdanke ich Hannelore aus unserem Team. Die Zwölf Goldenen Regeln für Auslandsreisende - stammen übrigens aus dem Jahr 1955. Hier eine kleine Auswahl:

5. Kleide Dich so, dass Dich niemand bemerkt, aber setze Dir keinen Fez auf.

6. Singe gern, wenn man Dich darum bittet, aber singe nur dann!

9. Was Dir bei fremden Völkern merkwürdig vorkommt, bemühe Dich zu verstehen. Gelingt Dir das nicht, so suche den Grund dafür zuletzt bei den anderen.

P.S. Ich habe mich schon immer gefragt, wie es kommt, dass Zeitschriften so oft die gleichen Themen behandeln – schreiben sie voneinander ab oder liegen bestimmte Themen einfach in der Luft? Nun, während ich über Slum-Tourismus bloggte, schrieb Line in Palma auf unserem englischen betterplace blog über Philanthropischen Tourismus. Hey Line – Telepathie!  

betterplace geht zum Social Camp

Wir hatten es bereits angekündigt – ab sofort kann man sich nun offiziell anmelden: das erste Social Camp für Online-Experten und Vertreter gemeinnütziger Organisationen wird vom 14.-15. Juni im selfHub in Berlin-Kreuzberg stattfinden. Ca. 120 Teilnehmer werden nach dem Prinzip eines Barcamps über die Möglichkeiten des Internets für gemmeinnützige Projekte diskutieren. Neben den Hauptorganisatoren Basti Schwiecker von Helpedia, Markus Beckedahl von Netzpolitik und Sebastian Metzger von Ecochoice, versuchen wir auch ein bisschen bei der Organisation mitzuwirken.

(Die Teilnahme ist übrigens kostenlos….).

better Party

Am vergangenen Freitag haben wir bei uns im Büro in der Schlesischen Straße Einweihung gefeiert. Wir waren gespannt, wie viele Freunde von betterplace sich an dem regnerischen Abend zu uns in den 5. Stock verlieren würden. Und es kamen überraschend viele!

Es waren so viele Gäste anwesend, über die wir uns besonders gefreut haben – darunter Projektverantwortliche von Organisationen, Unternehmensmenschen, Medienvertreter, Studenten, Freunde, alte und neue Fans und Kollegen von anderen sozialen Plattformen. So zum Beispiel Adina Hammoud, Hans-Jürgen Cramer, Suk-Han & Co, Nadine Lange, Jan Michael Ihl, Raul und Andrea, Basti und Sebastian. Und so weiter und so fort…

Und natürlich auch Jirka vom Deutschen Kinderhilfswerk, der sich über die Unterstützung seines Projekts freute: Jeder Gast spendete (direkt über die Plattform oder an der Abendkasse) einen Euro ans Projekt. Insgesamt kamen so 1104 Euro zusammen.

Vielen herzlichen Dank an alle, die da waren und diesen schönen Abend mitgestaltet haben!

Ein extra dickes Dankeschön an den Gorilla für das leckere Essen und an Radeberger, die uns sehr großzügig mit Bier (Aua, mein Kopf!) versorgt haben. Und an betterplace Junior für die engagierte Hilfe. Und an Joana und Josefina. Und an Ulli, Axel, Samir und Marion, die zusammen mit ihren Freunden die Bar wie die Profis geschmissen haben – Ihr seid die besten.

Wir und die Alumni der BMW Stiftung

Till und ich waren gestern bei der BMW Stiftung Herbert Quandt eingeladen, auf einen Alumni-Tag zum Thema „Towards Responsible Leadership in a Globalized World“. Neben uns kamen auch Frauke vom self Hub, Paula von 3plusX, Claudia von dem Mentorenprogramm Big Brothers Big Sisters und die CSR-Beraterin Petra von der Wertschmied Group – allesamt spannende Mitstreiter.

Wir erwarteten, dort auf 100 motivierte Studenten zu treffen, denen wir ein bisschen über uns erzählen würden. Als wir jedoch ankamen, standen da 5o Führungskräfte der deutschen Wirtschaft , denen wir kreativen Input in Sachen soziales Engagement geben sollten. Nach kurzer Verwirrung und einem kurzen Vorlauf in Sachen „Warmwerden“, wurde der Tag doch noch sehr spannend – und wir konnten viel lernen von den „globalized leaders“, die sich gerne nach aussen hin so offen zeigen, tief im Innern aber oft konservativer sind, als wir vermutet hatten…. weiterlesen ‘Wir und die Alumni der BMW Stiftung’

re:publica 08 – vom vergessen und erinnern

Die 3 Top Themen der re:publica 08 waren laut Organisator Markus Beckedahl (hier gibt’s das Interview mit ihm und anderen von Bloggerin Schnutinger): 1) Datenschutz, gepaart mit mehr Medienkompetenz 2) Soziale Medien in ihrer ganzen Vielfalt und 3) Die Frage, was öffentlich-rechtlich ist im digitalen Zeitalter.

Um das Ende mal vorweg zu nehmen: Es waren sehr lehrreiche und, wie Annika am Freitag bereits schrieb, inspirierende Tage. Ich kann nur von mir sprechen, aber viel davon war Entmystifizierung. Nach einem furiosen Auftakt von Harvard-Professor Viktor Mayer-Schönberger, der ein Plädoyer für die Notwendigkeit des Vergessens hielt und sich im Zuge dessen für ein digitales Haltbarkeitsdatum ausspricht, ging es steil bergab. ‘Die Zukunft der Social Networks’ ist finster, wenn man das erste Panel der Konferenz als Omen für die Zukunft von StudiVZ, MySpace & Co sehen will. Der Untertitel der Veranstaltung ‘Geschlossene Türen oder offene Fenster’ war ja vielleicht ironisch gemeint, denn da saßen die üblichen Verdächtigen in ihrem eigenen Mief und diskutierten über alte Hüte. „Nein, also das machen wir natürlich nicht, da kämen wir ja mit dem Gesetz in Konflikt.“ Ich hätte mir alle Anwesenden in Mayer-Schönbergers Vortrag über Erinnern und Vergessen im digitalen Zeitalter gewünscht und, anstatt sich anhören zu müssen, wie sich Schuld gegenseitig zu-, und dann entschieden von sich gewiesen wird, lieber die Verantwortlichen der einschlägigen Social Networks zum Thema Infomationsökologie gehört.

Die Qualitätsdebatte. Journalisten vs. Blogger. Hmpf. Gut, aber Johnny Häusler von Spreeblick, der als Moderator des Panels mutig in die Bresche gesprungen war, hatte schon recht, als er meinte, das (leidige) Thema dürfe nicht fehlen. Schade nur, dass von der Journalistenfront zwar einige geladen, aber keiner gekommen war. Journalist und Blogger Thomas Knüwer (in No Porno Please! vom Samstag, dem Day After der Konferenz also, lässt er tief blicken), Bild-Blogger und Journalist Stefan Niggemeier und Mercedes Bunz (derzeit Chefredakteurin bei Tagesspiegel Online), die dann auf dem Panel saßen, sind ja sozusagen Zwitterwesen. Haben sich aber redlich um einen Diskurs bemüht. Inhaltlich kam nicht viel Neues bei rum, aber der Unterhaltungswert war hoch und die Panelteilnehmer fast schon zu sympathisch. Jetzt mal unter uns: Mercedes hat nebenbei den Sex-Appeal der Konferenz dramatisch nach oben gerissen und den Jungs gezeigt, was ein verbaler Haken ist.

Fazzen oder bloggen – mehr zur Qualitätsdebatte gibt’s zum Beispiel auf Robert Basics Blog.

Zur Diskussion ‘Geld verdienen mit Blogs reloaded’ möchte ich nur eins sagen: die „Größen“ Robert Basic, Sascha Lobo und Remo Uherek (der sich schweizerisch diplomatisch im Hintergrund gehalten hat, schade eigentlich!) scheinen sich gegenseitig zu neutralisieren. Viel war nicht geboten, außer Kraftmeierei und einer merkwürdigen Realness-Debatte. Das Thema sehe ich definitiv nochmal auf der Agenda der re:publica 09. Reloaded.

Nun zu den beiden Veranstaltungen, die für uns als betterplacianer besonders interessant waren: ‘Kampagnen und NGOs im Netz’ und der Workshop ‘Greenpeace Internetstrategie’. Womit wir wieder beim Entmystifizieren wären. Vielleicht habe ich eine verschobene Wahrnehmung, aber auch hier kam für mich zu wenig rüber (außer der Erkenntnis, dass wir alle nur mit Wasser kochen). Wenn der PR-Chef und Campaigning-Mann von Greenpeace, Volker Gassner, davon spricht, mittels der neuen Internetstrategie weg vom Monolog zu wollen, hin zu einer dialogischen Kommunikation, dann, naja, ist mir das ein bischen mager. Aber was soll das Meckern! Es geht, egal ob bei Gigant Greenpeace oder Baby betterplace, darum, einfach mal anzufangen, anstatt sich um den Verstand zu konzipieren. Dieses Fazit aus Gassners Vortrag habe ich mitgenommen. jetzt.de hat Gassner am Rande der Konferenz zur geplanten „Netzattacke“ befragt.

Hard Bloggin’ Scientist Benedikt Köhler, der mit auf dem NGO-Panel saß, ging das Gerede von wegen „Wir haben ganz viele geile Kampagnen gemacht“ sichtlich auf die Nerven. Ist ja klar, dass hier zwei Welten aufeinander prallen – Benedikt & Co, die mit der Free Burma Blogaktion 2007 Massen bewegt und nebenbei bewiesen haben, dass es keinen direkten Zusammenhang zwischen offline und online Engagement gibt. Und auf der anderen Seite traditionelle NGOs, die ihre ganze Struktur erstmal mühevoll umwuchten müssen, um sich – für teures Geld – via Web 2.0 eine neue Möglichkeit der Aktivierung zu erschließen. In der Zwischenzeit sind in der Online-Welt die Grenzen zwischen reinem Aktivist und demjenigen, „der sich nur beteiligt“, längst verschwommen, wie Benedikt anmerkte.

Für eine ausführliche Besprechung und kritische Hinterfragung der beiden „Web 2.0 in an NGO world“-Veranstaltungen unbedingt Andreas Post auf Alles was gerecht ist lesen!

Markus Beckedahl und Johnny Häusler: Vielen Dank für den gigantischen Denkanstoß, den Ihr uns mit der re:publica verpasst habt!

Wir sehen uns auf der re:publica 09. reloaded.

Ach, wären wir doch so wie betterplace!

Heute legte die Welthungerhilfe und die Kindernothilfe in Berlin, gemeinsam mit 14 weiteren Erstunterzeichnern, einen Neun-Punkte Plan für mehr Transparenz und Offenheit vor. Nach dem UNICEF-Skandal wollen die Organisationen bis Jahresende einen Verhaltenskodex erarbeiten. Geklärt werden sollen u.a. die Stärkung des Spendensiegels, sowie eine niedrigere Obergrenze für Verwaltungs- und Werbeausgaben. Genaueres wird man wohl erst zu Jahresende erfahren (kleine Frage: Wieso brauchen die dafür so lange?).

Währenddessen wird in der englischsprachigen blogsphäre schon seit geraumer Zeit die Rolle des Internets, insbesondere des Web 2.0. für den NGO Sektor rege diskutiert – u.a. immer wieder von Giulio Quaggiotto auf dem lesenswerten Private Sector Development Blog. Dort stieß ich heute auf einen blogpost auf Wikinomics, dem Begleitblog zu dem gleichnamigen Buch von Don Tapscott und Anthony Williams.

Offensichtlich wurde Williams von den gleichen Hilfsorganisationen konsultiert und beschreibt in seinem blogpost, worauf es in Zukunft für traditionelle Hilfsorganisationen ankommen wird:

„… to embrace greater openness and transparency with regard to how they spend donor’s money and how they wield influnce in developing countries. Organizations such as Intelligent Giving are giving donors more information, while others like Global Giving and Kiva are giving people the option to bypass established NGOs … The trend towards increasing transparency is putting pressure on NGOs to find new ways to maximize the impact of their effords to address issues like poverty alleviation and climate change.“

Hallo Welthungerhilfe, Kindernothilfe und alle anderen Unterzeichner der heutigen Deklaration – registiert Euch auf betterplace.org und werdet so transparent wie nie zuvor!

Ein Venture Fund für Sozialunternehmer

In der gerade erschienenen Ausgabe von Red Herring, dem amerikanischen Technologiebusiness-Journal, findet sich ein interessantes Interview mit Jacqueline Novogratz, Gründerin des Acumen Fund. Acumen ist ein weltweiter Venture Fund, der in Unternehmen und Technologie investiert, die das Leben armer Menschen – an der Bottom of the Pyramid – verbessern.

Ziel des Funds ist es bis zum Jahre 2001 $US 100 Millionen einzusammeln und mit diesem Geld das Leben von 50 Millionen Menschen nachhaltig zu verbessern. Siebe Jahre alt, hat Acumen bislang $ 32 Millionen aufgebracht – meist von wohlhabenden Individuen und Stiftungen – und in Unternehmen in Kenya, Indien, Pakistan und Tanzania investiert. Ein Investment in Tanzania ist beispielsweise A to Z Textile Mills, die Insektizit-imprägnierte Mückennetze vertreiben und mittlerweile mit 7000 Angestellten, den meisten davon Frauen, der zweitgrößte Arbeitgeber im Land ist.

Die Investitionen des Funds belaufen sich zwischen $300,000 und $2 Million, immer mit dem Ziel Geschäftmodelle zu entwickeln, die kopiert und skaliert werden können.

Das Interview greift einige der Fragen auf , die uns auch schon bei betterplace beschäftigt haben: so zum Beispiel, ob der Markt ein effizienterer Hebel zur Armutsbekämpfung ist, als der non-profit Sektor. (Novogratz sagt: Ja.)

Interessant ist auch, nach welchen Kriterien Acumen sich für oder gegen eine Investition entscheidet. Von größter Bedeutung ist dabei die Person des Sozialunternehmers selbst. Er muß nicht nur schon einen Vertrieb vorweisen können, sondern auch intime Marktkenntnisse besitzen.

Jaqueline Novogratz zitiert Bill Drayton (von Ashoka), das nur einer von einer Millionen Sozialunternehmern das Format von Mohammed Yunus, dem Gründer der Grameen Bank, hat. Um ihm dann aber auch gleich zu widersprechen, da sich mit der zunehmenden Präsenz und Professionalisierung immer mehr begabte Menschen für den Sektor interessieren. „Als wir im April 2000 anfingen, schauten wir uns 700 potentielle Investments an und wir konnten uns für keines begeistern. Mittlerweile sehen wir jedes Jahr qualifiziertere Sozialunternehmer.“

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