„Demokratie ist ein Exportartikel“

betterplace zu Gast bei der Verleihung des CARE-Milleniums- und des CARE-Partnerschaftspreises – ausgezeichnet werden der nigrische Tuaregführer Mano Aghali und der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker.

Hier ein paar Momentaufnahmen.

„Es hinkt, aber immerhin: es geht voran.“

Entwicklungshilfe bzw. Entwicklungszusammenarbeit unter gleichen Partnern (Jean-Claude Juncker erteilt in seiner Ansprache „Entwicklungshilfe“ als Ausdruck und Konzept eine klare Absage), ist ein ernstes Thema. Trotzdem und glücklicherweise gibt es auf der Veranstaltung am Brandenburger Tor viel zu lachen. Finanzminister Peer Steinbrück, der die Laudatio auf seinen Freund Jean-Claude hält, legt gut vor, bevor er dann in die Eigenwerbung abdriftet.

„Manchmal müssen wir eben zwei Schritte zurück gehen, um einen nach vorne machen zu können,“ sagt der Botschafter des Niger.

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Juncker, der 2006 für seine Verdienste an Europa mit dem Karlspreis geehrt wurde, erhält für sein Engagement in der Armutsbekämpfung den Milleniumspreis, der dieses Jahr zum ersten Mal ausgelobt wird, was für deutsche Standards „ja schon Tradition ist“. Der Mann traut sich was. Es ist schwer beeindruckend, wie treffend er im Deutschen formuliert und wie ungeniert er Klischees, unliebsame Wahrheiten und Versäumnisse thematisiert. Komplizierte Sachverhalte beschreibt er in Bildern, die jeder versteht. Und wechselt ganz selbstverständlich in ein ebenso eloquentes Französisch, wenn er mitten in seiner Ansprache vom Vortragsmodus in den persönlichen Dialog mit Mano Aghali wechselt.

„Ich bin von der Front,“ sagt der pensionierte Entwicklungshelfer.

Auch wenn man von nichts eine Ahnung hat – man spürt, dass der Tuareg Aghali ein großer Kämpfer und Diplomat ist. Im Gegensatz zu den anderen Rednern hält er sich relativ kurz. Er freut sich über den Preis, das sieht man, aber man sieht auch, dass er daran denkt, wieviel Arbeit noch zu leisten ist. Was nicht heißt, dass dieser Mann keinen Humor hat. Als wir uns am Buffet vorgestellt werden, bin ich erstmal überfordert von seiner Präsenz und bekomme zugegebenermaßen weiche Knie. Und ich stelle fest, dass Aghali permanent aus den Augen lacht. Klingt komisch, ist aber so.

Es ist in jeder Hinsicht eine bunte Runde: der Entwicklungshelfer „von der Front“, der nigrische Botschafter, der Charitè-Manager, die Stiftungsdame und ich genießen gemeinsam das afrikanische Essen – und diskutieren unter anderem Junckers Ansprache: „Demokratie ist keine Demokratie, wenn man sie hat und für sich selbst behält – Demokratie ist ein Exportartikel“ – das ist bei allen hängen geblieben. Da sind sich alle einig.

Mehr: zur Preisverleihung, zu Mano Aghali und seiner Organisation HED-Tamat, zum Niger und zu Jean-Claude Juncker.

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