Warum ist Afrika unterentwickelt?

Theorien, warum der afrikanische Kontinent das Schlusslicht wirtschaftlicher, gesundheitlicher und anderer Ranglisten ist, gibt es viele. Belief sich 2000 das durchschnittliche pro Kopf Einkommen in Afrika auf 1800 US$, so lag es im weltweiten Durchschnitt bei 8800 US$, nirgendwo sonst ist die Lebenserwartung so gering und die Analphabetenrate so hoch. Und das obwohl seit den frühen 1950er Jahren US$ 568 Milliarden Entwicklungshilfe nach Afrika geflossen sind.

In einem neuen Artikel (via 3 quarks daily – einem meiner Lieblingsblogs) argumentiert der Wirtschaftswissenschaftler Nathan Nunn, die Sklaverei sei maßgeblich schuld. Ohne den transatlantischen Sklavenhandel würde 72% der Einkommenskluft zwischen Afrika und dem Rest der Welt nicht existieren. Nunn zufolge war Sklaverei insbesondere in den zwischen 1400-1900 im weitesten entwickelten Regionen Afrikas verbreitet, die heute jedoch zu den ärmsten zählen. Sklavenhandel führte zu politischer Instabilität, schwachen Staaten, ethnischer und politischer Fragmentierung und einer Schwächung der rechtlichen Institutionen.

Nun sind „One Big Thing“ Theorien immer fragwürdig. Und deshalb schiebe ich noch eine, (unter vielen anderen) Erklärungsansätzen, hinterher: Zahlreiche Anthropologen sehen einen kulturellen Faktor als wesentlich für Afrikas Unterentwicklung: die ausgeprägte egalitäre Tendenz vieler afrikanischer Gesellschaften:

Wenn ein junger Südafrikaner den gestampften Lehmboden seiner Hütte nicht mit Beton ausgießt, obwohl er dies gerne möchte und  finanziell könnte, dann ist das nämlich kein Zeichen von Faulheit, sondern hängt damit zusammen, dass die Dorfgemeinschaft jeden Ausdruck individuellen Wohlstands als Bedrohung der engen, reziproken Beziehungen untereinander ansieht und Furcht hat, reichere Individuen könnten sich aus den Sicherheitsnetzen ausklinken und das fundamentale Gefühl der Geborgenheit im Dorf zerstören.

Menschen, die erfolgreich sind und ihren Wohlstand nicht mit ihren Verwandten und Freunden teilen, kommen schnell in den Ruf  sich übernatürlicher Mächte zu bedienen, d.h. sie werden als Hexer verschrieben oder selbst mit Hexerei um die Ecke gebracht. Wer sich für dieses Thema interessiert, kann meine alte brand eins Kolumne lesen oder aber diesen Artikel über Hexereiforschungen des Schweizer Ethnologen David Signer (via antropologi).

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6 Responses to “Warum ist Afrika unterentwickelt?”


  1. 1 celine 2. Mai 2008 um 17:07

    und ich (17, weiblich) habe mir gerade vorgenommen, wenn ich eine arbei bekomme, geld zu sparen, damit ich auch spenden kann. doch das wäre alles sinnlos… wir sollten nur abwarten, bis afrika wieder den wirtschaftlichen rythmus findet, sie sollten selbstständig sein und sich entwickeln und nicht von uns abhängig werden.

    guter und interessanter artikel

  2. 2 Rolf Hess 8. Februar 2010 um 19:40

    Intressanterweise hat Afrika niemals eine Hochkultur hervor gebracht. Europa hatte die Griechen und die Römer, Asien die Chinesen, Babylonier und die Mesopotamier, Südamerika die Maya. Sicherlich gab es da Ägypten, aber die Einwohner von Ägypten stammen ja ursprünglich aus dem Kaukasus.

    In Afrika gab es ja auch kaum Völker, die eine eigene Schrift hatten, geschweige denn in der Lage waren, so grossartige Bauwerke wie z.B. den Petersdom oder Etenmaki zu erschaffen.

    Da könnte man sich jetzt streiten, woran das liegt.

  3. 3 mina sattari 27. August 2012 um 16:52

    @ Rolf Hess … was wollen sie denn damit sagenß dass die afrikaner zu doof sind und ihr kontinent deswegen unter entwickelt ist? sie kleiner spasstischer rassisttischer elitärer drecks weiße penner …. ficken sie sich isn knie mit ihren wichs hochkulturen … sie sind genauso ein teil der ausbeutung dieses kontinentes und seines schicksals.

  4. 4 Marcel S. 4. Dezember 2014 um 10:25

    @mina sattari… Agressiv, offensiv, schuldverschiebend… Ein Mann wie ein Volk.

  5. 5 Kuffnuckenhasser 14. Juli 2016 um 10:09

    Halt die Fresse, Migrattenschwein Mina Sattari. Kackefarbenes Untermenschenvieh, hau in deinen Drecksiran ab. Ihr stinkenden Ratten gehört nicht in weiße Länder.

    Euer Allah ist eine Niggergottheit, und Mohammed ist ein Kinderbumser.

  6. 6 Fuldatatze 6. September 2017 um 16:57

    Diese These kommt mir doch etwas weit hergeholt vor. Erstens gilt das ja nur für Dörfer, und erklärt nicht warum sich in den Städten kaum Industrie entwickelt, zweitens gibt es höchstwahrscheinlich nicht in allen von den sehr unterschiedlichen Afrikanischen Kulturen diese egalitäre Einstellung.

    Ich habe zum Beispiel mal an einem Entwicklungshilfeprojekt in einem Dorf in Kamerun mitgearbeitet, und dort gab es einen Typ der deutlich reicher war als der Rest des Dorfes. Er hat nicht mehr in dem Dorf gewohnt, sich aber dort ein „Ferienhaus“ gebaut, das besser war als die Häuser der anderen Dorfbewohner. Die Dorfbewohner haben sich aber nicht daran gestört, sie haben es sogar begrüßt, weil er einen Dorfbewohner als „Haushüter“ angestellt und somit einen Arbeitsplatz geschaffen hat. Es handelt sich dabei auch nicht um einen Einzelfall; wenn es ein Dorfbewohner in der Stadt „geschafft“ hat, baut er sich meistens ein „Anwesen“ in seinem Heimatdorf.

    Ich persönlich schätze, wichtige Faktoren, die die Entwicklung einer Industrie in Afrika behindern, sind: Konkurrenz durch Firmen aus dem Ausland, die die Produkte viel billiger herstellen können (anders als zur Zeit der Industrialisierung in Europa), politische Instabilität, Korruption, sehr hohes Bevölkerungswachstum (ohne die Möglichkeit dass die Leute massenhaft auswandern können wie damals in Europa), in manchen Ländern das Fehlen wichtiger Rohstoffe (ohne die Möglichkeit billig importieren zu können wie damals in Europa) und der Teufelskreis hohe Arbeitslosigkeit –> Gesellschaft muss viele Ressourcen zur Versorgung der Arbeitslosen aufwenden –> keine Mittel für Investitionen vorhanden –> hohe Arbeitslosigkeit

    Ich habe den Eindruck, dass viele Leute die Situation aus einem engen Ideologischen Blickwinkel betrachten:
    Auf der einen Seite erklären Rechtsextreme die Probleme damit, dass Afrikaner einfach fauler und dümmer sind, auf der anderen Seite wählen Leute wie der Verfasser dieses Posts das andere Extrem und wollen die Rückständigkeit allein damit erklären, dass die Europäer grausam (Sklavenhandel) und die Afrikaner die besseren Menschen sind (egalitäre Gesellschaften)…


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