Die neuen Philanthropen

Neue sozio-kulturelle Trends gewinnen oft erst dann an Momentum und werden nachhaltig, wenn Rollenmodelle entstehen, die eine breitere Schicht von Menschen als nachahmenswert ansieht. Genau so eine Vorbildfunktion hatte der irische Wirtschaftsphilosoph Charles Handy im Kopf, als er in seinem neuesten Buch The New Philanthropists 23 Portraits von so genannten Neuen Philanthropen zusammenstellte.

 

Was ist neu an diesen Wohltätern? Nun, im Gegensatz zu vielen ihrer Vorgänger sind die meisten von ihnen Unternehmer, die mit relativ jungen Jahren viel Geld gemacht haben und nun versuchen, die gleichen Prinzipien, die sie in der Wirtschaftswelt erfolgreich gemacht haben, auf den zivilgesellschaftlichen Raum anzuwenden. Sie stiften ihr Vermögen nicht (nur), sondern initiieren und managen aktiv soziale Projekte.  

 

Darunter fallen sowohl solche Berühmtheiten wie Bono und Bill und Melinda Gates, aber auch viele andere, die eher unter dem Radar der Medienaufmerksamkeit agieren. Insbesondere diese sind in The New Philanthropists vertreten; Leute wie der irische Immobilienentwickler Niall Mellon der in südafrikanischen Slums mit Hilfe irischer Volontäre neue Wohnsiedlungen baut und Jeff Gambin, der Starkoch, der mit seiner Organisation Just Enough Faith die Obdachlosen Sydneys mit Mahlzeiten versorgt. Oder Michael de Giorgio, dessen Greenhouse Organisation unterpriviligierten Londoner Kindern den Zugang zu Sport eröffnet.

Die Interviewten zeichnen sich durch eine Mischung aus sozialem Engagement, Managementfähigkeiten und wirtschaftlichem Sachverstand aus. Die meisten der Initiativen wurden mit eigenem Geld gestartet, sollen sich jedoch ab einem gewissen Zeitpunkt selbst tragen und andere Finanzierungsquellen auftun. So überlegt Greenhouse ob sie ihr KnowHow Firmen zur Verfügung stellen, indem sie diesen kostenpflichtige Staff Sports Days oder Teambuilding Workshops anbieten.  Wie schon erwähnt geht es Handy darum, dass Leser sich mit den Portraitierten identifizieren und sagen: „Das mach ich auch“. Doch genau dieser Effekt traf bei mir nicht ein.

Woran lag das? Zum einen vielleicht daran, dass einiger der Portraitierten gar zu glatt einher kommen. Zum anderen hat es aber auch bestimmt mit der Tatsache zu tun, dass unter den 23 (meist britischen) Philanthropen nur zwei Frauen sind. Diese Gewichtung mag die real-existierenden Machtverhältnisse reflektieren (allerdings sind in den USA 51% aller Vermögenswerte in weiblicher Hand und die Zahl der weiblichen Philanthropen wächst), bei einem Buch welches neue Rollenvorbilder schaffen möchte, ist diese Fixierung jedoch unverständlich.

Jeder kennt die kürzlich verstorbene Anita Roddick, die Gründerin des Body Shops, die u.a. children on the edge gründete. Aber auch eine Frau wie Mahnaz Malik, die junge Pakistanisch-Britische Anwältin, die sich für unterprivilegierte Kinder engagiert und über die Advocate Foundation minderjährigen Gefängnisinsassen kostenlosen Rechtsbeistand bietet, hätte The New Philanthropists bereichert.

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