Archiv für März 2008

Eine neue Börse für soziale Unternehmen?

Die Rockefeller Stiftung hat gerade 500.000 US$ für eine Studie zur Verfügung gestellt, die herausfinden soll, wie eine neue Börse für soziale Unternehmen aussehen müßte. Hier sollen Firmen gelistet werden, die nicht nur Profit machen wollen, sondern zugleich sozial progressiv und umweltfreundlich sind – sei es, dass sie saubere Technologien entwickeln oder sich der Armutsbekämpfung widmen. Im Falle, dass die Studie zu einem positiven Ergebnis kommt, würde die Börse nächstes Jahr eröffnet werden.

Der Direktor der Rockefeller Stiftung, Bugg-Levine, sieht die soziale Börse als Investment-Forum für eine neue Generation wohlhabender Philanthropen, die mit dem „alten binären System unglücklich sind, in dem sie einerseits Geld verdienen und es andererseits für wohltätige Zwecke ausgeben.“ 

Warum spenden wir?

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(Zu Weihnachten bekam ich von meinen Kindern ein betterplace-Buch „Charity goes personal“, in dem sich u.a. diese Collage fand: „Ah, SPENDEN ist mal was anderes als Milchschnitte“) 

Auf  Katya’s Non-Profit Marketing blog, in dem ich von Zeit zu Zeit interessante Blogposts finde, ist gerade eine Liste mit Motiven erschienen, wieso Menschen spenden: die meisten Motive sind sehr persönlich und emotional, ob wir nun von einer Schicksalsgeschichte berührt wurden oder uns engagieren, weil wir die soziale Verantwortung spüren etwas der Gesellschaft, die es gut mit uns gemeint hat, zurückzugeben. Natürlich gibt es aber auch andere Motive: Leute die spenden, weil sie Steuern sparen, oder ihr Image aufpolieren wollen.  

Hier ist die Liste:

1. Jemand hat mich dazu aufgefordert

2. Eine Geschichte hat mich bewegt 

3. Ich will nicht passiv zusehen, wie andere leiden

4. Ich möchte im Leben eines Menschen einen Unterschied machen 5. Ich fühle mich einer Gruppe oder einer Organisation verbunden

6. Ich muss Steuern sparen

7. Ich möchte das Andenken an jemanden bewahren (z.B. jemand, der mit einer Krankheit kämpft oder an ihr gestorben ist) 

8. Ich wurde so erzogen – Spenden ist Teil meiner Familientradition

9. Ich möchte hip sein und diese Organisation (und das Armband) sind gerade angesagt 10. Ich möchte mit anderen Menschen durch eine gute Sache verbunden sein und mein soziales Netzwerk ausbauen

11. Ich möchte mein Image, oder das meines Unternehmens, verbessern 12. Ich möchte etwas etablieren, was über meinen Tod hinaus Bestand hat

13. Ich fühle mich privilegiert und möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben 14. Ich gebe aus religiösen Gründen – Gott möchte, dass ich meinen Wohlstand teile

15. Ich möchte als Rollenvorbild angesehen werden. 

Für viele von uns ist es wahrscheinlich eine Mischung aus diversen Motiven. Weshalb gebe ich? Weil in meinem Bild einer Idealgesellschaft Menschen sich für einander einsetzen und sie die bestehenden Klüfte zwischen arm und reich als unerträglich empfinden. Weil ich von einzelnen Geschichten berührt werde, aber auch weil ich manche Initiativen – wie die WTO auf betterplace – neben aller Sinnhaftigkeit, auch einfach nur „cool“ finde. 

Wer sich intensiver für das Thema interessiert, der sollte sich diese beiden Studien ansehen: Why rich people give und der Guide to giving beide herausgegeben von Philanthropy UK.

Die Super Ratte im Kampf gegen Landminen

Line, die gerade auf dem Skoll World Forum in Oxford ist, hat mir diesen coolen Linktipp geschickt:

Ratten haben einen äußerst feinen Geruchsinn und werden erfolgreich darauf trainiert Landminen aufzuspüren. Grandiose Idee, und die Website macht richtig Spaß. Sofort anschauen! Es hört sich komisch an, aber: JETZT eine Ratte adoptieren!

P. S.: Leider kann man die Adoption momentan nicht abwickeln, weil die Seite ‚under repair‘ ist. Schade.

re:publica ’08 – Die kritische Masse

Der Countdown läuft. Nur noch eine Woche, dann beginnt die re:publica ’08:

Zwischen Kultur, Medien, Politik und alltäglich genutzter Technik: Vom 2. bis 4. April 2008 treffen sich in Berlin Blogger und andere Netzbewohner zur re:publica’08. Das Konferenz-Motto “Die kritische Masse” steht für verschiedene Seiten des gleichen Komplexes: Das Internet und neue Kommunikationsformen werden immer mehr in das Leben der Menschen integriert. Web 2.0-Anwendungen entwickeln sich zu Selbstläufern. Und zum anderen steht auch die Fähigkeit der Masse zur Kritik im Zentrum des dreitägigen Events.

Wer diese Chance verpasst, sich mit anderen Webaktivisten, Blogger-Kollegen und technoiden Zeitgenossen zu treffen und diskutieren, bis der Schädel platzt, ist wirklich selber schuld. Beim 3-tägigen Programm der Konferenz ist so viel dabei, was wir hören uns sehen wollen, dass eine Auswahl schwer fällt. Nicht verpassen werden wir den Vortrag von Andrea Götzke über „Internet und Open Source südlich der Sahara“ am zweiten Tag.

Und natürlich „Advocacy 2.0: Digitaler Aktivismus – Kampagnen und NGOs im Netz“. Interessant klingt auch der Beitrag „Reordering Public and Private in Cyberspace – Reinforcing homosexuality in Iranian Cyberspace“ von Mahmood Enayat am Mittwoch. Und so weiter und so fort. Verheißungsvoll sind nicht nur die einzelnen Veranstaltungen, sondern allein schon die Kategorien – von ‚plauschen und tauschen‘ bis zu ‚zänken und kränken‘.

Am Mittwoch geht’s los. Um 10:30 begrüßen die re:pulicaner Markus Beckedahl (in seinem Blog netzpolitik.org kann man unter anderem lesen, dass es nur noch eine handvoll Tickets gibt) und Johnny Häusler die rund 800 angemeldeten Teilnehmer. Letzterer unterzieht am dritten Tag die Internet-Strategie der ARD einem Realitätscheck und fragt, zusammen mit Verena Wiedemann: „Brauchen wir ein öffentlich-rechtliches YouTube?“

Die re:publica ist außerdem eine gute Gelegenheit, sich endlich mal in (relativer) Ruhe mit Kollegen wie Basti von helpedia zu unterhalten.

Wir freuen uns drauf.

Was ist besser: als Brahmane wiedergeboren zu werden oder lange zu leben?

Kulturellen Faktoren wird seit den 90er Jahren in der Entwicklungszusammenarbeit eine neue Bedeutung zugebilligt. US Politologe Samuel Huntington war einer der ersten, der auf die Bedeutung von Kultur anhand eines seither viel zitierten Vergleichs zwischen Ghana und Korea hinwies:

In den sechziger Jahren besaßen beide Staaten vergleichbare Bruttosozialprodukte, eine ähnliche Aufteilung ihrer Wirtschaft in Rohstoffe, Warenproduktion und Dienstleistungen und erhielten vergleichbare Summen an Entwicklungshilfe. Dreißig Jahre später rangiert Südkorea auf Platz 14 der Weltwirtschaft und besitzt eine mächtige Automobil-, Elektronik- und Konsumwarenindustrie. Ghana, seinerseits, kann nichts dergleichen vorweisen: sein Bruttosozialprodukt macht nur ein Fünfzehntel von dem Südkoreas aus.

Was, fragte Huntington, erklärt diese Unterschiede? Und lieferte die Antwort gleich mit: Südkoreaner schätzen Sparsamkeit und Investment, harte Arbeit und gute Ausbildung, Organisation und Disziplin. Ghanaer haben andere Werte. »Mit einem Wort: Kultur zählt«.

Im Lauf der letzten Jahre haben sich alle westlichen Entwicklungsinstitutionen Kultur auf ihre Fahnen geschrieben. Die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), der Hauptträger deutscher Entwicklungshilfe, veranstaltete jüngst eine ganze Reihe von Diskussionsrunden in Partnerländern zum Thema »Kultur und Entwicklung«. Die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit ruft in der Broschüre »Kultur ist kein Luxus« ihre Mitarbeiter auf, einen »genuinen Kulturreflex« zu entwickeln. Und in einem Beitrag zu einer großen, von der Weltbank organisierten Konferenz über Kultur und Entwicklung forderte einer ihrer ehemaligen kamerunschen Berater, Daniel Etounga-Maguelle, ein »Kulturanpassungsprogramm für Afrika«.

Doch oft ist der verwendete Kulturbegriff so schwammig, dass er jeder Aussagekraft entbehrt. Weiterlesen ‚Was ist besser: als Brahmane wiedergeboren zu werden oder lange zu leben?‘

Shoppen von den „Guten“

 

 

…und die Bio-Lohas-Lifestylewelle rollt weiter: Mit Bransparent gibt es nun ein neues Shoppingportal, auf dem man besten Gewissens einkaufen kann. Klamotten nämlich von Firmen, die der Umwelt und den Menschen nicht schaden.

Unter dem Motto „Shopping und Transparenz“ kann man bei Bransparent aber nicht nur einkaufen, sondern sich auch umfassend über die Hersteller und ihre Produktionen informieren.

Bransparent über sich: „Bransparent will es Verbrauchern einfacher machen, eine verantwortungsvolle Kaufentscheidung zu treffen. In enger Zusammenarbeit mit einen Team von Experten haben wir ein Bewertungssystem für Textilhersteller entwickelt, das strenge Anforderungen an Umwelt- und Sozialaspekte des gesamten Herstellungsprozesses stellt. Alle Hersteller auf Bransparent erfüllen diese Anforderungen.“

Gute Idee: auf einer interaktiven Landkarte kann man Geschäfte in seiner Stadt finden, die „gute“ Produkte verkaufen.

Unterwegs in Laos

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Luang Prabang ist ein erstaunlicher Ort. Innerhalb von wenigen Minuten gelangt man von prunkvoll vergoldeten Tempelanlagen in ein Cafe, welches genauso auch in Manhattan stehen könnte, wohnt in einer charmanten, leicht heruntergekommenen französischen Kolonialvilla und sitzt abends im Internetcafe neben in safranfarbenen Roben gekleideten Mönchen.

Bei meinem ersten, zweiwöchigen Besuch im letzten Jahr hatte mir die Stadt so gut gefallen, dass ich wiederkommen wollte, diesmal in Begleitung zweier Freundinnen und sechs Kinder.

In Nordlaos und in einer Senke des Mekong gelegen, war die Stadt Sitz des laotischen  Königshauses, bevor sie 1975 von den Kommunisten von der Außenwelt abgeschottet wurde. Nach der Öffnung des Landes kam dann 1995 die UNESCO und deklarierte ganz Luang Prabang zum Weltkulturerbe. Mit dem (auf jedenfall fuer Touristen) erfreulichen Resultat, dass alle baulichen Neuerungen streng kontrolliert werden und der gelungene Mix aus buddhistisch-laotischer und französischer  Kolonialarchitektur erhalten bleibt. Wenig erstaunlich, das diese Umgebung auch viele Laoten aus dem französischen Exil und westliche Aussteiger anzog, die nun begannen, in den schönen alten Villen und Stadthäusern kleine Hotels, Cafes und Galerien aufzumachen. Und eine Fülle innovativer sozialer Projekte hochzuziehen. 

 So sahen wir uns heute, auf Empfehlung einer australischen Bekannten, die seit 7 Jahren in Laos lebt, zwei kleine Organisationen an und luden sie auf betterplace ein. Die erste war @ my library, eine Initiative, die für die laotische Jugend nicht nur Bücher zur Verfügung stellt – in einer Bibliothek in Luang Prabang, in Tempeln ebenso wie in einzelnen Dörfern – sondern ihnen auch den Gebrauch des Internets und englische Sprachkenntnisse vermittelt. Momentan läuft eine Photo-Ausstellung junger Laoten: „Laos through our own eyes“. Die zum Teil sehr schönen Photos – gemacht mit von Touristen ausrangierten Digitalkameras – gibt es für 25 US$ zu kaufen, wobei der Erlös zwischen der Organisation und den Jugendlichen geteilt wird.  Wer seine alte, noch funktionsfähige, Kamera (plus Zubehör) abgeben möchte, kann sich auf der website www.languageproject.org nach Details erkundigen.

Auch beim zweiten Projekt, Big Brother Mouse, geht es um Bücher. Initiiert von einem amerikanischen Verleger und laotischen Schülern und Studenten, verlegt Big Brother Mouse seit 2006 Bücher in Lao (und Englisch). Bücher sind in Laos eine Seltenheit. Nur die wenigsten Kinder kommen mit ihnen in Berührung und dann handelt es sich meist auch nur um langweilige Schulbücher. Um Kindern schon von klein auf Lesen nahezubringen, produzieren Sascha und ein engagiertes Team von jungen Laoten Bücher: sie nehmen traditionelle Volksmärchen, Alphabetisierungs- und Sachbücher, ebenso wie internationale Klassiker wie den Zauberer von Oz, illustrieren diese (zum Teil sehr schön) selber und verteilen sie kostenlos in Städten und Dörfern.

  In den ländlichen Gegenden, in denen viele Kinder noch nie ein Buch in Händen gehalten haben, veranstaltet Big Brother Mouse Buchparties. Auf diesen werden Bücher vorgelesen und zum Schluss an die Kinder verteil (der Dorflehrer bekommt zusätzlich noch eine Tauschbox, in die die Bücher wieder zurückgelegt und ausgetauscht werden können.)  Finanzieren tut sich dieses tolle Projekt über Spenden, u.a. von Touristen: für 30 US$ kauften wir heute ein Paket mit 18 Büchern, die jetzt auf einer Buchparty verteilt werden.