Wenn Sie sich um den Welthunger sorgen, essen Sie weniger Fleisch

Innerhalb der letzten 3 Jahre sind die Lebensmittelpreise weltweit im Durchschnitt um 83% gestiegen. Diese dramatische Steigerung ist zum großen Teil auf reduzierte Anbauflächen zurückzuführen, nachdem es für viele Produzenten lukrativer ist für den boomenden Biotreibstoffmarkt zu produzieren.

 

In mittlerweile 37 Ländern, von Ägypten über Äthiopien bis zu den Philippinen und Indonesien, haben steigende Kosten für Grundnahrungsmittel wie Reis und Weizen zu Unruhen und Protesten geführt – alleine letzte Woche errichteten Tausende von Demonstranten in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince Straßenbarrikaden, verwüsteten Geschäfte und zwangen den Regierungschef zum Rücktritt. Mindestens fünf Protestler kamen bei den Krawallen ums Leben.

 

Nach Dominique Strauss-Kahn, Direktor des Internationalen Währungsfonds und Weltbank-Chef Robert Zoellick, warnte heute auch WTO Chef Pascal Lamy angesichts der sich zuspitzenden Lage vor bevorstehenden Massenhungersnöten und forderte eine Reorientierung der Entwicklungshilfe, hin zu einer fokussierten Unterstützung der Landwirtschaft.

 

In diesem Zusammenhang ist auch der Artikel von Guardian Kolumnist und Autor George Monbiot (via culture matters) über die globale Nahrungsmittelkrise von Interesse. „Der Weizen, der benötigt wird um einen Geländewagen zu betanken, kann einen Menschen ein ganzes Jahr ernähren“, zitiert Monbiot einen Weltbank-Report. Und das vor dem Hintergrund, dass seit dieser Woche in Großbritannien die Renewable Transport Fuel Obligation in Kraft getreten ist, der zufolge 2.5% aller verkauften Treibstoffe aus erneuerbaren Energiequellen stammen müssen.

 

Monbiot verweist aber auf noch eine weitere Ursache für die Lebensmittelkrise: Dieses Jahre werden 100 Millionen Tonnen Lebensmittel in Biotreibstoffe verwandelt. 760 Millionen Tonnen (!!!) werden dagegen verwendet um Tiere zu füttern. Nachdem die fleischessende Weltbevölkerung ständig anwächst kommt Monbiot zu dem Schluß: „Wenn Sie Sich um den Welthunger sorgen, essen Sie weniger Fleisch”.

 

1 Response to “Wenn Sie sich um den Welthunger sorgen, essen Sie weniger Fleisch”


  1. 1 Hans-Jürgen Cramer 19. April 2008 um 15:33

    Das Problem scheinbar einfacher Lösungen im Energiebereich….

    Der Energiehunger der Welt treibt die verschiedensten Preise der Welt in vielfacher Hinsicht: Öl und Gas haben im Grundsatz ein allzeit Hoch erreicht, der Preis der Kohle notierte vergangene Woche bei ca. 114 US Dollar die Tonne, vor einigen Jahren waren wir bei ca. 35 bis 40 US Dollar. Gleiches sehen wir bei Stahl, Kupfer und Aluminium-Preisen – insgesamt sind Kraftwerke in den vergangenen zwei Jahren um ca. 30 % gestiegen. Gleichwohl steigt die elektrische Konsumtion in den asiatischen Ländern deutlich an, allein in Vietnam pro Jahr um ca. 17 %. Jede Woche geht in China ein Kohle-befeuertes Großkraftwerk ans Netz – in vielen anderen Ländern werden neue Kernkraftwerke geplant oder sind im Bau. Ist nun der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen zur energetischen Verwendung in Kraftwerken die Lösung? Ja und Nein! Unser eigener Versuch zur Verwendung von Palmölen wurde abgebrochen, nachdem wir erfahren mussten, dass intakte Ökosysteme in Südamerika und Asien gerodet wurden, um entsprechende Anbauflächen zu schaffen. Der Einsatz von Mais in US-Amerikanischen Kraftwerken treibt massiv die Preise in Mexico, Joana hat weitere Beispiele genannt.Food vs. Energy ist nicht nur in Europa ein sehr heißes Thema. Was zunächst einfach scheint: Beimischungen biogener Kraftstoffe – kann massive Probleme verursachen in anderen Ländern, die sehr plötzlich Zugang haben zu hochsubventionierten Produkten in Europa. Das Erschrecken bei uns ist dann manchmal groß, wenn die Waren- und Geldströme sich plötzlich umorganisieren und an der einheimischen Bevölkerung vorbeiziehen. So sind scheinbar einfache, gute Lösungen in Europa manchmal der Grund für eine sich zuspitzende Lebensmittelsituation bzw. drastische Verteuerung von Lebensmitteln in weit entfernten Ländern…
    Ich sehe derzeit keine einfach Lösung – aber eines ist klar: Wir müssen lernen, unsere Fragen in systemischen Zusammenhängen zu stellen und gleichzeitig die Antworten hinsichtlich der Auswirkungen in komplexen Systemen zu bewerten… Wertschöpfungsketten müssen bis ans Ende bedacht werden… vielleicht für manche Politiker eine neue Herausforderung. Die Fragestellung – Verwendung biogener Einsatzstoffe oder allgemein Biomasse in Kraftwerken – ist sinnvoll und notwendig – auch wir nutzen das nachwachsende Potenzial und ich glaube, es wird in Zukunft weiter ausgebaut werden, wenn die entsprechenden Infrastrukturen stehen – gleichwohl brauchen wir eine erhöhte Transparenz um erkennen zu können, was wirklich passiert im komplexen Zusammenhang der Geschehnisse – um zu vermeiden, dass wir unser gutes Gewissen mit zunehmenden Problemen in anderen Ländern erkaufen…
    Was können wir tun: Schlichtweg weniger Energie konsumieren – effizienter mit Energie umgehen – bewusster uns verhalten. Vielleicht klingt es als Angehöriger eines Energieunternehmens merkwürdig: Aber jede Kilowattstunde Energie, die nicht produziert werden muss, entlastet das Klima, entspannt Brennstoffsituationen, schafft Lösungsräume anderer Art. Es ist den ernsthaften Versuch wert.

    Hans-Jürgen Cramer


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