75 Milliarden Dollar um die Welt zu retten

Ausgangssituation: 75 Milliarden Dollar und vier Jahre Zeit sie auszugeben. Und zwar um die weltweit drängendsten Probleme zu lösen.

In diese missliche Lage hat Bjorn Lomborg (siehe Foto), dänischer Statistiker und Autor des kontroversen Buches The Sceptical Environmentalist, nun schon zum zweiten Mal acht Wirtschaftswissenschaftler von internationalem Renommeé gebracht. Vielmehr haben sich die acht in voller Absicht nach Kopenhagen begeben, um dort auf dem Copenhagen Consensus 2008 über „Top Challenges“ wie Luftverschmutzung, Krisen, Bildung, Wasser und Hygiene, Frauen und Entwicklung zu diskutieren.

Bjorn Lomborg

Es ging um eine Priorisierung der Lösungen – und damit auch der Probleme (gelesen auf Süddeutsche.de, wo auch die nachfolgende Liste her ist):

1. Versorgung von Kindern mit Vitamin A und Zink in Entwicklungsländern

2. Umsetzung der Ziele von Doha zum weltweiten Freihandel

3. Versorgung mit Eisen und jodiertem Salz

4. Ausbau von Impfprogrammen für Kinder

5. Forschung und Entwicklung von neuen Agrartechniken und neuem Saatgut

6. Entwurmung und Ernährungsberatungsprogramme an Schulen

7. Verringerung von Schulkosten

8. Mehr und bessere Schulausbildung von Mädchen

9. Ernährungsberatung auf kommunaler Ebene

10. Verbesserte Beratungsangebote für Frauen zur Familienplanung

11. Akutbehandlung von Herzinfarkten

12. Malaria-Prophylaxe und –Behandlung

13. Identifizierung von Tuberkulosepatienten und ihre Behandlung

Nicht mehr im Rahmen der 18,75 Milliarden Euro jährlich enthalten:

14. Forschung und Entwicklung von Techniken zur Reduzierung von Kohlendioxid

Wie SZ-Autor Christoph Schrader schreibt, haben die Ökonomen offensichtlich wenig über Wechselwirkungen nachgedacht. Der Klimawandel zum Beispiel, der mittel- und langfristig einen ganzen Rattenschwanz an anderen Problemen nach sich ziehen wird (Hungerepidemien, Naturkatastrophen, Krankheiten etc.) findet so gut wie keine Beachtung – wenn man von Punkt 14 absieht, der Maßnahmen zur CO2-Reduzierung vorsieht. Insgesamt geht es offenbar eher um die Bekämpfung von Symptomen, nicht von Ursachen.

Die gesetzten Prioritäten reflektieren die ökonomische Dringlichkeit, oder, in anderen Worten, den Schaden, den diese globalen Probleme in Dollar verursachen. Die Lösungen sind also nach Input/Output kalkulierte Investitionen. Das erklärt auch, warum auf Punkt 2 die Umsetzung der Ziele des Freihandelsabkommens von Doha steht. Hier entstehen laut Pressemitteilung der Veranstaltung der internationalen Staatengemeinschaft Ausfälle von 3.000 Milliarden Dollar pro Jahr. Allein die Entwicklungsländer sollten so Mehreinnahmen von 2.500 Milliarden Dollar generieren können.

Das kommt euch alles etwas übertrieben vor? 75 Milliarden Dollar (in vier Jahren!) sind wirklich nicht so viel Geld. 100 Milliarden Dollar beträgt das jährliche Budget der Industrienationen für Entwicklungshilfe. Und das soll nach dem Willen der Vereinten Nationen noch aufgestockt werden.

Trotzdem: Klar überlegt man, als betterplacer, was auch nur ein Mini-Bruchteil dieses Budgets bewegen könnte, würde man damit konkrete Projekte und die dahinter stehenden Menschen unterstützen können. Also das unterstützen, was schon ist. Auch wenn der Kopenhagener Kongress vor allem ein Gedankenexperiment ist, geben die Ergebnisse zu denken. Diese riesgen Beträge, wo versickern sie? Wieviel davon rieselt davon zu Menschen wie Mary durch, die genau zu wissen scheint, wie der Hase läuft?

Was sagt ihr, liebe Leser, zu der Priorisierung der Ökonomen?

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