Cinema Jenin

Die letzten drei Tage war ich beim Filmfestival in Locarno um Marcus Vetter, den Projektverantwortlichen eines neuen betterplace Projekts – Cinema Jenin – zu treffen. Der Ausgangspunkt für das Projekt ist Marcus’ Film Das Herz von Jenin, der letzten Monat seinen ersten, sowohl von der New York Times, als auch der israelitischen Haaretz, gelobten Auftritt auf dem Jerusalemer Filmfestival hatte. Auch bei der Europa-Premiere in Locarno gab es lang anhaltenden Beifall für Marcus, seine Crew und den charismatischen Protagonisten des Films Ismael Khatib.

Heart of Jenin erzählt die wahre Geschichte von Ismael Khatib, der, nachdem sein 12 jähriger Sohn Achmed von einer israelischen Militäreinheit versehentlich getötet wird, sich entschließt, die Organe seines Sohnes schwerkranken israelischen Kindern zu spenden. Der Film dokumentiert nicht nur die dramatischen ersten Tage nach Achmeds Tod, sondern begleitet Ismael zwei Jahre später beim Besuch von dreien der durch die Organspenden geretteten Kinder. 

Bewegende Begegnungen

Inge Günther, in der Berliner Zeitung schreibt:

 

Es sind bewegende Begegnungen, zwei Jahre nach dem Tod seines Sohnes. Wie von selbst spannt sich ein unsichtbarer Draht zwischen den Kindern und dem fremden Mann aus einer anderen Welt irgendwo hinter dem Sperrwall. Im Falle von Sameh Gadban, einem Mädchen im Teenageralter aus einer Drusenfamilie, klappt das auf Anhieb. Ebenso mit dem quirligen Mohammed Kabua, dem Beduinensohn, der unermüdlich auf seinem Fahrrad ums Elternhaus im Negev kurvt. Zur Dialyse muss er nicht mehr.

Komplizierter ist der Kontakt zu Menuha, der kleinen Tochter frommer Juden aus der Jerusalemer Siedlung Pisgat Zeev. Dass das Spenderorgan arabischer Herkunft ist, rüttelt an den Grundsätzen der Familie Levinson. Vor dem Operationssaal wartend ist dem Vater der Satz entfahren, ein jüdisches Organ wäre ihm schon lieber gewesen. Später ist es ihm peinlich. Aber es kostet ihn sichtlich Überwindung, palästinensische Gäste zu empfangen, noch dazu einen aus dem als Widerstandsnest verschrienen Dschenin. Er macht einen beklemmenden Versuch, von Mensch zu Mensch zu reden. „Geh doch in die Türkei“, rät er Ismael. 

Vom Automechaniker zum Laienpädagogen
Ismael selbst macht im Film eine Transformation durch, die sich nicht zuletzt darin äußert, dass er, der gelernte Automechaniker, mit finanzieller Unterstützung der italienischen Stadt Cuneo, ein Jugendzentrum im Flüchtlingslager aufmacht, um den Kindern einen sicheren Ort zu geben, an dem sie spielen und lernen können. 200 Kinder kommen täglich, nach der Schule und während der Ferien.

… und Cinema Jenin Projektmanager
Seit kurzem managed Ismael Khatib, gemeinsam mit Marcus Vetter und unterstützt von palästinensischen Filmschaffenden, aber noch ein anderes Projekt: das Cinema Jenin. Einst eines der schönsten Kinos in der Westbank, ist es seit dem Beginn der ersten Intifada 1987 außer Betrieb. Nun soll es wieder restauriert werden – 50 Euro kostet die Renovierung eines der 500 Kinostühle vor Ort, etwas über 2000 Euro fehlen noch für die notwendige Sanierung des Dachs. Hier sollen ab Frühjahr 2010 ein hochqualitativer Mix aus arabischen und (arabisch untertitelten) europäischen Filme gezeigt werden und eine Alternative zu der Einheitskost amerikanischer Blockbuster auf al-jazeera bieten.

Wir bei betterplace freuen uns dem Projekt eine transparente und aktivierende Fundraising-Plattform bieten zu können und gemeinsam mit allen Projektunterstützern hautnah an dem Projektfortschritt teilnehmen zu können. 

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