Archiv für Februar 2009

Server down? Engagement hoch!

Wir möchten Webseitenbetreiber nicht auffordern, ihre Server öfters mal stehen zu lassen. Aber falls eine Online-Plattform wegen Wartungsarbeiten vorrübergehend vom Netz genommen wird, kann der Administrator zukünftig seinen Besuchern die Möglichkeit geben, in der Zwischenzeit bei betterplace.org etwas Gutes zu tun. Einfach den folgenden Banner schalten:

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Und natürlich kann man den Banner auch direkt auf das jeweilige Unternehmensprofil bei betterplace.org verlinken. Die Grafik kann man hier herunterladen.

Nachtrag: Danke an dieser Stelle auch nochmal an imageloop, die bei Downtimes ihre Slideshow mit betterplace-Projektbildern geschaltet haben. So sind wir auf die Idee gekommen hieraus ein aktives Konzept zu machen 🙂

Ist Social Media Fundraising gefährlich?

Ein Beitrag auf Social Edge beschäftigt sich mit dem Thema Issue Fatigue, dem Overkill an Möglichkeiten Gutes zu tun. Je bewußter wir uns den drängenden sozialen und ökologischen Problemen sind, desto weniger scheinen wir bereit, etwas dagegen zu tun. 

Wer ist schuld?

–  Die Krise: Fundraising hat seinen niedrigsten Stand seit 10 Jahren erreicht (in den USA erklären 93% der Fundraiser, dass die Wirtschaftskrise sich negativ auf ihre Arbeit auswirkt). Es gibt weniger Geld und mehr Bedürftige.

– Die Konkurrenz: immer mehr neue nonprofit Organisationen werden gegründet, bei gleichbleibendem Spendenaufkommen.

– Das Internet. Die Autoren verweisen auf Hildy Gottlieb, Presidentin des Community-Driven Institute, die in ihrem blog argumentiert, dass Social Media Fundraising

a) nicht nachhaltig ist
b) punktuelle Schwächen ausgleicht ohne systemischen Wandel zu bewirken

und damit:

c) einer besseren Zukunft im Wege steht.

Harte Worte für Plattformen wie kiva.org, facebook und twitter Kampagnen. 

2 Anekdoten

Gottlieb vergleicht 2 Ansätze sozialen Handelns anhand zweier Geschichten: 

The first is the Starfish Story – the one where the boy is on a shoreline surrounded by beached starfish, where he is throwing a starfish at a time back into the sea. When asked what difference his actions can possibly make, given all the other starfish that remain, he replies, “It will make a difference to this one.”

The second is the story of the guy who is driving near a river, when he suddenly sees that the river is teeming with babies, floating along in baskets. There is a swarm of people gathered, pulling those babies out of the river. As he starts to drive away, an indignant baby-saver screams, “Hey, you selfish SOB, we need all the help we can get! Where do you think you’re going?” To which the guy replies, “I’m going up the river, to stop whoever is putting the babies IN the water.”

Ihr Fazit: einzelne Probleme beseitigen lenkt ab vom größeren Ganzen, d.h. den strukturellen, systemischen Veränderungen. 

Aber, handelt es sich dabei wirklich um eine Entweder/Oder Entscheidung? Wie viele Menschen haben in ihrem Lebensumfeld die Chance die WTO Verhandlungen zu beeinflussen, die zu faireren Handelskonditionen führen könnten?

Und muß nicht jeder für sich selbst entscheiden, wo er den Hebel sieht, um die Welt lebenswerter zu machen? Was es dazu bedarf sind meines Erachtens eine breite Auswahl an sozialen Projekten (einen Marktplatz, wie wir ihn aufbauen) und das notwendige Wissen darüber, mit welchen Hebeln man was bewirken kann (dazu versucht dieser blog immer mal wieder das eine oder andere beizutragen).

Inzwischen wurde betterplace.org ja schon in so manchem Medium erwähnt

Aber eben noch nicht in allen:

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Deshalb: nicht zurücklehnen!

Skateistan: Stereotype aufbrechen

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Gestern abend trafen Yvonne (von unserem Projekteteam, rechts im Bild) und ich den Gründer von Skateistan Oliver Percovich (links) und seinen Mitbewohner in Kabul und Projekt Kommunikationschef  Max Henninger  (mit Cap) in einer Kneipe am Hackeschen Markt um Skateistans Präsenz auf betterplace.org zu besprechen. Skateistan ist in den letzten Monaten groß durch die Medien gegangen, u.a. auch auf der Titelseite der Sportsektion der  New York Times. Für alle, an denen das Projekt bisher vorbeigegangen ist, hier eine kurze Zusammenfassung in den Worten der Macher selbst:

Skateistan is Afghanistan’s first dedicated co-educational skateboarding school. The school will engage with the growing numbers of urbanised youth in Afghanistan through skateboarding and provide new opportunities in cross-cultural interaction and education. Students will be selected from a range of different cultural and socio-economic backgrounds. Student capacity will be developed in skateboarding, skateboarding instruction, project management, life skills and English. Our aim is to develop a program that empowers youth to take leadership on issues important to them and build networks that will counter current ethnic barriers. 

Skateboarding in Afghanistan? As soon as Australian skateboarders Oliver Percovich, Sharna Nolan and Travis Beard lay down their boards in Kabul, they were surrounded by the eager faces of children of all ages, begging them to teach them how to skate. Stretching the three boards they had, they developed an infant skate school.

Six young Afghan males who were naturals at skateboarding (aged 18-22) shared the three boards and quickly progressed in their newfound sport. Skateboarding was born in Afghanistan. The success with their first students prompted them to think bigger. By bringing more boards back to Kabul and establishing an indoor skateboarding venue they would be able to teach many more youth as well as run separate classes for females. Skateistan is Afghanistan’s first skateboarding school dedicated to teaching both male and female students. We aim to build indoor skateboarding facilities thoughout Afghanistan. We will start in Kabul with a indoor skatepark with indoor and outdoor sections.

Im Gespräch mit Max und Ollie entdeckten wir gleich eine Reihe von Gemeinsamkeiten, sowohl was die Motivation betreffend, Skateistan und betterplace.org zu machen, als auch in der Art von Weltverbesserung, für die unsere Herzen schlagen. Als Ethnologin wiederum begeisterte mich ihr Bedürfniss mit ihrer Arbeit existierende Klischees – in diesem Fall das Leben in Kabul betreffend – herauszufordern.

Leben jenseits der Klischees

Das wiederum hat Skateistan mit Cinema Jenin gemein: Auch Marcus Vetter begann mit der Restaurierung des stillgelegten Kinos von Jenin nachdem er immer wieder – nicht nur von Israelis – gewarnt worden war, nach Jenin in der palästinensischen Westbank einzureisen. Jenin sei ein Hotspot für Selbstmordattentäter und Fundamentalisten. Nachdem er dann dort viele Wochen The Heart of Jenin gedreht hatte und wundervolle, reflektierte Menschen kennengelernt hatte, die sich nichts sehnlicher wünschen als friedlich und selbstbestimmt zu leben, entschied er sich mit dem Projekt gegen eben diese Stereotype anzugehen. Zu zeigen, dass man gemeinsam mit den Menschen vor Ort ein anspruchsvolles Kulturprojekt auf die Beine stellen kann.

Und genauso geht es Oliver und Max auch darum über Skateistan alternative Bilder von der afghanischen Hauptstadt zu zeigen, Bilder, die sich von denen unterscheiden, die wir westlichen Zeitungsleser im Kopf haben und die den Teil der afghanischen Realität reflektiert, den die beiden in ihren Jahren in Kabul erlebt haben.

Und es gibt noch eine weitere Parallele zwischen den Projekten: so wie Marcus einen Film über Cinema Jenin dreht, so wird auch Skateistan von Filmemacher Rene Kock (ebenfalls oben in die Kamera schauend) begleitet. und auch hier sollen die Erlöse des Films dem Projekt zugute kommen. 

Wir freuen uns sehr, Skateistan dabei eine gute Plattform zu bieten.

Und ja, für alle die mich etwas besser kennen, ich überlege schon, wann ich mal nach Kabul fahren kann…

„Dienstag ist betterplace Tag“

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Schöner Artikel in Gruenderszene.de über betterplace.org. Was soll ich noch hinzufügen? So ist das halt: „leuchtende Augen“ … „betterplace Magie“ … „motiviert“ … “ und man spürt die Energie, mit welcher sie die Arbeit bei betterplace.org erfüllt.“

Follow me auf twitter

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In den letzten Monaten habe ich verschiedenste Diskussionen bezüglich des Sinns und Unsinns von Twitter für non-profits verfolgt. Eigentlich ist mein Zeitbudget sowieso schon völlig überlastet, zugleich liebe ich es aber auch neue – wohlgemerkt, nur technisch unanspruchsvolle – Tools auszuprobieren.

Der beste Multiplikator für solche tools ist wiederum mein betterplace Mitgründer Jörg Rheinboldt, dessen Enthusismus für neue Geräte und Applikationen unschlagbar ist. Angefixt legte ich mir also letzte Woche einen Twitter account zu und – wie es der Zufall so wollte – lernte ich am Abend des selben Tages bei Echtzeit Berlin (die betterplace.org coolerweise als Charity Partner erkoren hatte) Sachar Kriwoj von Roccatune kennen. Sachar ist ein reflektierter Twitter-Fan, mit derzeit über 500 Followers und bot mir eine kleine Einführung an. 

So kommt es, das ich seit ein paar Tagen zwitscher. Das Suchtpotential ist eindeutig; schnell mal durchgeben was man so macht und dabei alle, die einem „folgen“, zu erreichen. Und es macht Spaß mitzuverfolgen, was Paul Polak, Autor von Out of Poverty, gerade liest, von Niels Köster an Valentinstag erinnert zu werden, mit Jörg und seinen Zwillingen Wickie zu schauen oder Nicholas Kristof nach Dafur zu begleiten. 

Dabei entsteht eine eigene – auf 140 Zeichen reduzierte Sprache und eine neue soziale Dichte. Friend or foe? Wahrscheinlich gilt für twitter das gleiche wie für alle anderen social Media auch: Sie sind so gut, wie die Inhalte derer, die sie nutzen. 

Und deshalb blende ich jetzt mal für eine Weile die Angst vor der heiklen Gradwanderung zwischen Voyeurismus und Exhibitionismus aus und lasse mich auf das twitter Experiment ein.

Und ich würde mich sehr freuen, wenn ein paar von Euch betterplacianern mitmachen würden, denn meine Suche nach twitternden Freunden und Mitstreitern ist bislang weitgehend erfolglos geblieben (bei 100.000 deutschen twitter accounts, die meisten von ihnen inaktiv, keine große Überraschung). Meine rudimentären Kenntnisse gebe ichbei Bedarf gerne an Euch weiter.

Und da ich bis morgen abend noch in Südfrankreich bin und nicht wirklich zwitscher, habt ihr auch noch ein bißchen Zeit Euch auf twitter einzurichten.

Folgt mir!

Weinstock statt Rosen

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Zugegeben ich war noch nie ein großer Fan des Valentinstags. Das ganze erschien mir immer zu sehr eine Marketingsmaßnahme der Floristenvereinigung. Mittlerweile wird er in vielen Ländern der Welt gefeiert. Und wie bei Kulturimporten so üblich, erfährt er oft überraschende Uminterpretationen. Vor einigen Jahren habe ich mich mal mit japanischer Bürokultur beschäftigt, insbesondere den gut ausgebildeten, aber schlecht bezahlten und behandelten „office ladies“. Für diese ist Valentinstag DER Tag der Revanche:

am Valentinstag, lassen Office Ladies ihre Vorgesetzten wissen, was sie von ihnen halten. In Japan geben am Valentinstag nur die Frauen den Männern Geschenke. Letztere dürfen sich einen Monat später, am Weißen Tag, revanchieren. Manch gestandener Manager würde an diesem Tag lieber zu Hause bleiben. Denn wer weiß schon, ob der eigene Schreibtisch unter herzenverzierten Schokoladenpäckchen mit rosaroten Schleifen und Karten versinkt oder ob man nur das eine obligatorische Päckchen erhält? Bei einem verhassten Vizepräsidenten gingen die Ladies sogar so weit, die Valentinsschokolade fein säuberlich zu zerbröckeln!

Diesen Valentinstag werde ich ausnahmsweise auch mal was verschenken: nämlich einen Weinstock in Bethlehem. Mit 29,48 Euro kann man die Patenschaft für einen Weinstock übernehmen:

Mit dem Weinverkauf finanziert eine kleine Gruppe Salesianer Brüder des 1885 gegründeten CREMISAN Klosters eine Berufsschule für junge Palästinenser und Brot für die ärmsten Familien von Bethlehem. Die Liegenschaften des Weinguts befinden sich im israelisch-palästinensischen Grenzgebiet und durch die Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen nach der zweiten Intifada ist die Bewirtschaftung des Weinguts und des Klosters deutlich schwieriger geworden. 

Der Absatz brach zusammen, der Zustand der Weinberge verschlechterte sich. Zudem fehlt es an Nachwuchs. Die Klostergemeinschaft von ehemals 64 auf acht Brüder zwischen 59 und 86 Jahren geschrumpft. Wir wollen den Brüdern helfen, dass CREMISAN als Weingut, als Träger karitativer Einrichtungen in Bethlehem und als Begegnungsstätte für Menschen aus aller Welt erhalten bleibt.

Bei diesem Valentinsgeschenk stimmt die Öko-Balance: weder müssen kenianische Blumenpflückerinnen Unkrautvernichtungsmittel einatmen, noch die Rosen per Flugzeug nach Deutschland geflogen werden. (O.k. ich weiß, zugleich vernichte ich auch in Blumenexportierenden Ländern Arbeitsplätze).

Etwas seltsamerweise sind die Namen der Weinreihen: Hessen, Bayern oder Berlin. Leider ist Berlin noch nicht aktiviert, so mußte ich auf Hessen spenden. Aber sobald „Hessen“ vollständig bespendet ist, rücken die anderen Reihen automatisch nach. Also: let’s show our love with grapes!